Musk will halbleiter-revolution starten – und scheitert womöglich an der realität

Elon Musk, der Mann, der Raketen ins All schickt und Elektroautos zum Massenphänomen gemacht hat, will nun die Halbleiterindustrie aufmischen. Sein Vorhaben: Eine gigantische Fabrik, die er „Terafab“ nennt, soll in den USA Chips produzieren, die Tesla für seine Robotaxis und humanoiden Roboter benötigt. Ein kühner Schachzug, der selbst eingefleischte Technologie-Experten skeptisch macht.

Ein wettlauf gegen die zeit und die physik

Ein wettlauf gegen die zeit und die physik

Musk hat bereits angekündigt, dass die Terafab in sieben Tagen offiziell vorgestellt wird. Der Bedarf an eigenen Chips ist für Tesla kein neues Thema. Bereits im Januar betonte der Tesla-CEO, dass die Abhängigkeit von Zulieferern wie Samsung, TSMC und Micron langfristig ein Hindernis für das Wachstum des Unternehmens darstellt. Er träumt von einer „sehr großen Fabrik“, die sowohl logische als auch Speicherkchips komplett in den USA herstellt – eine Vision, die ambitionierter kaum sein könnte.

Die Herausforderungen sind immens. Die Halbleiterfertigung ist eine der komplexesten und teuersten Technologien der Welt. Der Prozess erfordert hochspezialisierte Maschinen, wie sie beispielsweise von ASML in den Niederlanden hergestellt werden. Die Lieferzeiten für diese Maschinen können sich auf über ein Jahr belaufen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, hochqualifiziertes Personal zu finden, denn „diese Leute wachsen nicht an Bäumen“, wie Analyst Stacy Rasgon von Bernstein feststellt.

Ein Wettlauf gegen geopolitische Risiken

Musk ist jedoch nicht der Einzige, der sich Sorgen um die geopolitische Stabilität der Chip-Lieferketten macht. Die Bedrohung durch eine chinesische Invasion Taiwans, wo sich der Großteil der globalen Chip-Produktion befindet, hat Unternehmen dazu veranlasst, neue Fabriken in den USA zu bauen. TSMC beispielsweise investiert dort bereits Milliarden, stößt aber auf erhebliche Verzögerungen und Kostensteigerungen.

Tesla will mehr als nur eine Fabrik bauen; Musk plant eine integrierte Anlage, die sowohl Chips produziert als auch verpackt – ein Ansatz, der die Komplexität weiter erhöht. Schätzungen zufolge könnte die Errichtung einer Fabrik, die 100.000 Siliziumwafer pro Monat produzieren kann, bis zu 45 Milliarden Dollar kosten. Und selbst dann ist der Erfolg keineswegs garantiert.

Ben Kallo von Baird Research wirft die Frage auf, woher Tesla die immense Summe finanzieren soll, insbesondere angesichts seiner ambitionierten Pläne, 100 Gigawatt an Solarmodulfabrikation zu errichten. Die Investoren werden genau darauf achten, wie Musk diese ehrgeizigen Ziele finanzieren will.

Ein herkulische Aufgabe

Die Terafab-Pläne scheinen eine der größten Herausforderungen zu sein, denen sich Musk je gestellt hat. Selbst für einen Mann, der als unerschütterlicher Optimist gilt, ist dies ein gewaltiger Kraftakt. Die Geschichte zeigt, dass der Aufbau einer Halbleiterfertigung in den USA ein langwieriger und kostspieliger Prozess ist. Die Terafab könnte sich als ein monumentales Unterfangen erweisen, das selbst die größten Erwartungen übertrifft – oder als ein teurer Fehltritt in der Geschichte der Technologie.