Archäologischer fund enthüllt: war könig qashqash doch real?
Jahrhunderte lang als mythologische Figur abgetan, scheint der legendäre nubische König Qashqash nun tatsächlich existiert zu haben. Ein überraschender Fund in der altägyptischen Stadt Dongola hat die Geschichtsbücher neu schreiben lassen und wirft ein neues Licht auf die Machtverhältnisse im mittelalterlichen Sudan.
Ein dokument von unschätzbarem wert
Die Geschichte des Königs Qashqash rankte sich lange um religiöse Texte und hagiographische Erzählungen, die ihn als eine Art Heiligen verehrten. Seine Existenz wurde stets als bloße Legende betrachtet, ein Produkt religiöser Verehrung und mündlicher Überlieferung – bis jetzt. Archäologen haben in der alten Stadt Dongola, genauer gesagt im Gebäude A.1, bekannt als „Haus des Mekk“, ein Dokument entdeckt, das seine Existenz zweifelsfrei belegt.
Das rund 10 x 9 Zentimeter große Stück Papier, das zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert verwendet wurde, ist eine „Ordnanz“, die im Namen des Königs ausgestellt wurde. Es handelt sich nicht um einen politischen Vertrag oder ein Dekret, sondern um einen einfachen Tauschhandel: drei Stoffeinheiten gegen eine Ziege mit ihren Jungen. Die Transaktion wurde vom Schreiber Hamad verwaltet und mit dem königlichen Siegel versehen – ein unwiderlegbarer Beweis für die reale Existenz des Königs.
„Die königliche Ordanz ist ein seltenes Beispiel dafür, dass eine Figur, die bisher nur in hagiographischer Literatur und mündlichen Überlieferungen vorkam, nun in einen überprüfbaren historischen Rahmen eingebettet werden kann, gestützt durch greifbare archäologische Beweise“, so die Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift Azania: Archaeological Research in Africa veröffentlicht wurde.

Mehr als nur ein handel
Experten betonen, dass dieses Dokument weit mehr als nur einen einfachen Handel dokumentiert. Es zeigt Qashqash als einen Herrscher, der sich um die Aufrechterhaltung von Ordnung, sozialer Stabilität und Wirtschaft kümmerte. Der Tauschhandel, so die These, diente nicht nur der unmittelbaren Versorgung, sondern auch der Stärkung der Beziehungen durch Loyalität und Reichtum. Eine königliche Unterschrift war somit mehr als nur eine Bestätigung – sie war ein Segen und ein rechtliches Dokument in einem.
Die Entdeckung wirft zudem neue Fragen auf über die Rolle und den Einfluss nubischer Könige im mittelalterlichen Sudan und Afrika. War Qashqash eine Schlüsselfigur in einer Zeit des Wandels? Welche politischen und wirtschaftlichen Beziehungen pflegte er? Die Archäologen sind sich einig, dass dieser Fund erst der Anfang ist und weitere Forschungen in der Region dringend erforderlich sind, um das vollständige Bild der nubischen Geschichte zu rekonstruieren. Die Welt der Archäologie hält weitere Überraschungen bereit, die unsere Vorstellungen von der Vergangenheit immer wieder neu definieren.
